 |
 |
 |
Bypass nach Scopinaro
|
Der malabsorptive Magenbypass (Scopinaro)
|
Mit freundlicher Genehmigung: © PD Dr. med. Rudolf Steffen, Bern
|
|
|
Operationsverfahren
|
 |
Bauchspiegelung (Laparoskopie, „Knopfloch“, LSC) Die Operation wird in Allgemeinnarkose (Vollnarkose) durchgeführt. Die Bauchhöhle wird mittels einer Spezialnadel oder direkt via Troicar mit Luft gefüllt. Über einen kleinen Schnitt wird das optische Instrument (Laparoskop) in die Bauchhöhle eingeführt. Weitere kleine Schnitte dienen zum Einbringen der Operationsinstrumente. Der Magen wird zweigeteilt. Zur Verhinderung von Magengeschwüren wird der vom Verdauungsweg ausgeschlossene Magen entfernt (Gastrinproduktion). Der Dünndarm wird nun teilweise vom Verdauungsweg ausgeschaltet, sodass die Verdauungsfermente aus der Bauchspeicheldrüse und der Galle nur noch auf etwa 10% der ursprünglichen Darmlänge einwirken können. Somit wir das mit der Nahrung eingenommene Fett teilweise unverdaut ausgeschieden. Es wird anschliessend eine Dünndarmschlinge an den Restmagen hoch genäht. |
 |
Bauchschnitt (Laparotomie) In der eigenen Erfahrung müssen etwa 5% der operierten PatientInnen damit rechnen, dass sie mit einem Bauchschnitt erwachen, wir sprechen dann von einer Konversion von der laparoskopischen zur offenen Operation. Die Operationsschritte im Bauchinnern sind natürlich identisch. |
|
|
|
|
|
|
|
Spitalaufenthaltsdauer
|
LSC: 5 - 6 Tage / offen: 10 - 12 Tage
|
|
Intensivstation / Überwachungsstation
|
24 - 48 Stunden
|
|
Drainage
|
evt.
|
|
Blasenkatheter
|
ja
|
|
Arbeitsunfähigkeit
|
LSC: 2 - 4 Wochen / offen: 8 - 10Wochen
|
|
Kontrolle beim Hausarzt
|
2 Tage nach Spitalentlassung
|
|
Faden/ Klammernentfernung
|
quer: 6 Tage; längs: 10 – 12 Tage postop.
|
|
|
|
Mögliche Komplikationen bei und nach der Operation
|
Langfristiger Übergewichtsverlust um 70% mit Versagerquoten um 5% (Wiederzunahme des Übergewichts, ungenügender Gewichtsverlust). Zweitoperationen sind dann die Regel. Es ist ein invasiver Eingriff mit potentiell schlimmen Komplikationen bis hin zur Sterblichkeit (Häufigkeit: um 0.5%). Aufgrund der unvollständigen Fettverdauung kommt es zu vermehrten, stinkigen Stuhlgängen (3-4 breiige Stühle/Tag). Auch stinkende Winde sind häufig.
|
|
|
Frühkomplikationen (während des Spitalaufenthalts)
|
 |
Hautschwellung und – knistern, Druckgefühl und Schmerzen beim Atmen (bei laparoskopischen Operationen) im Bereich von Schultern oder Hals (durch Reste der Luft) klingen meist nach kurzer Zeit ab. |
 |
Thrombose- und Embolierisiko: Die in Bein- und Beckenvenen entstandenen Blutgerinnsel (Thrombosen) können verschleppt werden (Embolie) und im betreffenden Organ zu Schädigungen oder zu bleibenden Schäden führen (z.B. Lungenembolie, Schlaganfall). Als Thromboseprophylaxe wird ein blutverdünnendes Medikament unter die Haut gespritzt und/oder Stützstrümpfe angepasst. |
 |
Blutungen/ Nachblutungen: diese treten meistens an den Nähten auf und finden in den Darm hinein statt (Blut im Stuhl). Meist ist dieses Ereignis harmlos und hört von selbst auf, andernfalls wird der Patient endoskopiert (Magenspiegelung) und so die Blutungsquelle verödet. Blutungen in den Bauchraum sind selten. |
 |
Bluterguss: Häufig entsteht nach der Operation ein Bluterguss im Wundgebiet (bzw. Troicarstichstellen), der sich meist von selbst zurückbildet. |
 |
Nahtleck: die am meisten gefürchtete Komplikation (1-2%). Allenfalls wird eine erneute Operation mit Verschluss des Lecks oder zur Drainage nötig. Lecks können zu deutlich verlängerten Spitalaufenthalt Anlass geben. |
|
|
|
Zwischen früh und spät (4 – 6 Wochen postoperativ)
|
 |
Nahtschrumpfung am Übergang zwischen dem Magenrest und dem Darm. Der Patient kann immer schlechter essen und am Schluss kaum mehr trinken. Die Behandlung ist ambulant durch eine Magenspiegelung und gleichzeitige Aufdehnung. |
 |
Abszesse, Spätlecks: selten kann es im Operationsgebiet zu Abszessbildung kommen. Hohes Fieber ist das Hauptsymptom. Ist der Abszess im Bauchraum muss radiologisch oder chirurgisch entlastet werden. Ist er in einer Hautwunde kann die Wunde ambulant eröffnet und gespült werden. |
|
|
|
Spätkomplikationen:
|
 |
Mangelerscheinungen sind bei fast allen Patienten zu verzeichnen. Das heisst, die lebenslange Nachsorge und Nachkontrolle sind lebenswichtig! Die Mangelerscheinungen betreffen nebst dem Spurenelementstoffwechsel (Eisen, Zink, usw.) auch die Vitamine und damit auch den Knochenstoffwechsel. Langfristig drohen bei nicht angemessenen Ersatzbehandlungen Komplikationen aus all diesen Mangelerscheinungen (z.B. Osteoporose). |
 |
Das Dumping (Zuckerunverträglichkeit) ist eher eine Folge als eine Komplikation. Es tritt bei etwa 15% der Magenbypass- Patienten auf. Wenn Zucker in grossen Mengen (Kuchen, Torten, Süssgetränke usw.) in die dem Pouch angenähte Darmschlinge gelangt, wird Wasser aus der Blutbahn in den Darm gezogen, Die Folgen sind Herzklopfen, Schwindel und Durchfall. Die Symptome gehen nach etwa 20 Minuten vorüber. |
 |
Durchfälle: Selten bleiben die am Anfang häufigen Durchfälle auch noch nach 2-3 Monaten bestehen. Anhaltende wässrige Durchfälle mit mehr als 6 Stuhlentleerungen pro tag, die medikamentös (Imodium) nicht gelindert werden können, führen ebenfalls zur Nachoperation an den Darmschenkeln. |
 |
Magengeschwür: häufig, deshalb ist die Einnahme eines magensäureblockierden Medikaments für die Dauer von mind. 18 Monaten lebenswichtig! |
 |
Schluckschwierigkeiten: bei den meisten Patienten bestehen bis zu 6 Wochen nach der Operation Schluckschwierigkeiten ohne nachweisbare Ursache. |
 |
Innere Hernie (Darmverschlingung): Durch die Operation entstehen Lücken zwischen den Därmen. Obwohl die Lücken verschlossen werden können sich Darmschlingen hineinverlagern und dabei abgeklemmt werden. Sehr selten kommt es dabei zu einem gefährlichen kompletten Darmverschluss (Notoperation!). Häufiger tritt nach jedem Essen eine Bauchkolik auf (dringliche Operation). |
|
|
|
Äusserst seltene Komplikationen
|
 |
Organverletzungen: va. bei starken Verwachsungen besteht die Gefahr von Organverletzungen (insbesondere der Speiseröhre, Restmagen, Milz, Leber, Dünndarm). |
 |
Darmverletzungen: Tritt Darminhalt in die Bauchhöhle aus, kann ein Abszess in der Bauchhöhle, eine Fistelbildung zu Nachbarorganen oder der Bauchwand, eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) mit einer Darmlähmung und Organschäden (z.B. Nierenversagen), entstehen. Eine erneute Operation meist mittels Bauchschnitt und u.U. künstlichem Darmausgang wird allenfalls erforderlich. |
 |
Harnwegskomplikationen: Blasenkatheter zur Urinableitung können Verletzungen der Harnröhre, bei längerer Anwendung Blutung und Harnwegsinfekte verursachen. |
 |
Blutungen: Verletzung grösserer Blutgefässe die eine Gefässoperation, eine operative Blutstillung oder eine Bluttransfusion bedingen. |
 |
Bauchwandlähmung nach Verletzung von Muskelnerven. |
 |
Pneumothorax bei laparoskopischer Operation (Eindringen von Gas in den Rippenfellraum): Atemnot als Folge der Verdrängung der Lunge, welche die Einlage einer Saugdrainage erfordert. |
 |
Luftembolie bei laparoskopischer Operation: Kohlensäuregas tritt in ein Blutgefäss ein, so dass es zu lebensbedrohlichen Kreislaufstörungen kommen kann. |
 |
Lagerungsschäden (Druck- oder Überdehnungsschäden an Nerven, Gefässen oder Weichteilen mit Empfindlichkeitsstörungen und selten Lähmungen der Gliedmassen) sowie Haut- und Gewebeschäden durch Kriechströme, Hitze und/oder Desinfektionsmittel mit ev. bleibenden Nervenfunktionsstörungen oder dauerhaften Narben. |
 |
Bei Wundheilungsstörung oder entsprechender Veranlagung können schmerzende und/oder ästhetisch störende Narbenwucherungen mit Hautverfärbungen (Keloide) entstehen. Eine Narbenschrumpfung kann zu unschönen Einziehungen oder Bewegungseinschränkungen führen. |
 |
Allergie oder Überempfindlichkeit (z.B. auf Medikamente, Desinfektionsmittel, Latex) können vorübergehend zu Schwellung, Juckreiz, Niesen, Hautausschlag, Schwindel oder Erbrechen führen. Schwerwiegende allergische Komplikationen mit bleibenden Schäden im Bereich lebenswichtiger Funktionen (Herz, Kreislauf, Atmung, Niere) sind selten. |
 |
Bei gleichzeitiger Bandentfernung kann ein Schlauchrest im Bauchraum verbleiben. Dies kann äusserst selten zu Schmerzen Anlass geben. Der Schlauch ist jedoch dafür vorgesehen, im Bauchraum zu liegen. |
 |
Verwachsungen im Bauchraum (va. nach einem Bauchschnitt) können (auch noch nach langer Zeit nach der Operation) zu einem Darmverschluss (Ileus) führen. |
 |
Narbenbruch (Hernie): nach einem Bauchschnitt kann eine Lücke in der Bauchwand entstehen, die operativ verschlossen werden muss. Bei laparoskopischen Operationen sind Narbenbrüche sehr selten und klein. |
 |
Taubheitsgefühl im Bereich der Operationsnarbe. |
 |
Bluttransfusion: Risiko z.B. für Hepatitis- Viren, HIV (1:100 000 – 1:1 000 000). |
|
|
|
Letzte Änderung am Dienstag, 2. September 2008 um 12:16:35 Uhr.
|
|
|
(C) 2007 shg-bern.ch - Alle Rechte vorbehalten |
|
Diese Seite drucken
|