Pouchrevision nach Magenbypass
Mit freundlicher Genehmigung: © PD Dr. med. Rudolf Steffen, Bern
Die Grundlage zur Indikation zur Pouchrevision nach Magenbypass sind ein Nachlassen der Restriktion und damit ungenügende Essmengenkontrolle und/oder ein Dumpingsyndrom.
Ziel der Operation: Wiederherstellung der Restriktion.
Es gibt zwei grundlegende Situationen:
Situation 1: Kleine Magentasche (Pouch)
Die Magentasche (Pouch) ist nach wie vor klein, was aufgrund eines Röntgenbilds meistens festgestellt werden kann.
In dieser Situation besteht die Operation in einer Laparoskopie, einer laparoskopischen Verwachsungslösung und in einer laparoskopischen Verkleinerung der Magentasche (Pouch), was am besten mit einem Fobi- Ring gemacht werden kann. Die Operation ist von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Primär einmal abhängig davon, ob Sie ursprünglich mit Bauchschnitt operiert worden waren oder laparoskopisch. Sofern Sie via Bauchschnitt operiert worden waren, müssen wir mit zusätzlichen Darmverwachsungen rechnen.
Die Operation kann in dieser Situationen schwierig sein und eine Konversion zum Bauchschnitt ist tendenzmässig wahrscheinlicher als ohne Verwachsungen.
Sofern der Fobi- Ring nicht eingelegt werden kann (Gefahr einer Pouchwandverletzung) kann unter Umständen ein anpassbares Magenband eingelegt werden. Letzteres kann etwas weiter vom Magen platziert werden, so dass eine unmittelbare Lage auf der Pouchwand nicht notwendig ist.
Die Operation kann auch schwierig sein, wenn laparoskopisch operiert worden war. Die Möglichkeit, dass eine Minimalvariante („Einnäher“) oder eine Magenteilresektion gemacht werden muss, besteht immer und kann in keinem Fall vorausgesagt werden.
Situation 2: Zu grosse Magentasche (Pouch)
In dieser Situation dürfen wir nicht alleine eine Einschnürung an der Magentasche machen, weil Sie sonst eine schlechte Essqualität hätten und es zu einem Rückstau von Säure und Speise in die Speiseröhre kommen könnte. In dieser Situation muss der Magenpouch „nachgetrimmt“ werden, was faktisch einer Magenbypass- Neuanlage gleich kommt. Hinzu kommt auch hier die Möglichkeit, dass eine Magenteilresektion durchgeführt werden muss.
| Spitalaufenthaltsdauer | 3-4 Tage |
| Intensivstation / Überwachungsstation | 24 Stunden |
| Drainage | ja |
| Blasenkatheter | i.d.R. nein |
| Arbeitsunfähigkeit | 2 -4 Wochen |
| Kontrolle beim Hausarzt | 2 Tage nach Spitalentlassung |
| Faden/ Klammernentfernung | i.d.R. nein |
Mögliche Komplikationen bei und nach der Operation
- Hautschwellung und – knistern, Druckgefühl und Schmerzen beim Atmen (bei laparoskopischen Operationen) im Bereich von Schultern oder Hals (durchReste der Luft) klingen meist nach kurzer Zeit ab.
- Organverletzungen: va. bei starken Verwachsungen besteht die Gefahr von Organverletzungen (insbesondere des Darmes, des Magens, des Magenpouches). Werden z.B. ganz kleine Verletzungen übersehen, kann Darminhalt-oder Mageninhalt austreten. Tritt Darminhalt in die Bauchhöhle aus, kann ein Abszess in der Bauchhöhle, eine Fistelbildung zu Nachbarorganen oder der Bauchwand, eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) mit einer Darmlähmung und Organschäden (z.B. Nierenversagen), entstehen. Eine erneute Operation meist mittels Bauchschnitt und u.U. künstlichem Darmausgang wird allenfalls erforderlich.
- Thrombose- und Embolierisiko: Die in Bein- und Beckenvenen entstandenen Blutgerinnsel (Thrombosen) können verschleppt werden (Embolie) und im betreffenden Organ zu Schädigungen oder zu bleibenden Schäden führen (z.B. Lungenembolie, Schlaganfall). Als Thromboseprophylaxe wird ein blutverdünnendes Medikament unter die Haut gespritzt und/oder Stützstrümpfe angepasst.
- Bluterguss: Vereinzelt entsteht nach der Operation ein Bluterguss im Wundgebiet (bzw. Troicarstichstellen), der sich meist von selbst zurückbildet. Nur grosse Ergüsse müssen eröffnet und entleert werden.
- Nachblutung: Da die innere Wundfläche sehr gross wird, kann es zu operationsbedürftigen Nachblutungen kommen.
Mögliche Komplikationen bei Einlage Fobi- Ring
- Zu enger Fobi- Ring (3 -4-%) führt zu einer erneuten Operation mit Einlage eines grösseren Rings.
- Penetration des Fobi- Rings (1%): Der Fobi- Ring kann in den Magen einwachsen.
Mögliche Komplikationen bei Einlage Magenband
- Risiken am Port: der Port kann schmerzen, wandern, vereitern, kippen oder der Schlauch kann abrutschen oder durch einen Nadelstich undicht gemacht werden. Bei ausgeprägter Gewichtsabnahme kann er auch unter der Haut hervorstehen und sichtbar werden. Dies bedarf einer operativen Korrektur, die nicht aufwändig ist und in den meisten Fällen in der Tageschirurgie erledigt werden kann.
- Band - Leck: Die Flüssigkeit, die beim Loch heraustritt ist harmlos, es handelt sich um einen wasserähnlichen Stoff (nicht um flüssiges Silikon wie bei den Brustprothesen). Das Band verliert dadurch seine Funktion und muss operativ ersetzt werden.
- Pouch – Erweiterung (Band- Slipping): Das Band muss operativ ersetzt werden. Sehr selten kann es beim Slipping zu gefährlichen Einklemmungen von Magenanteilen kommen, bis hin zum Absterben solcher Magenteile. Dies ist dann eine sehr gravierende Komplikation, die unter Umständen die Entfernung des gesamten Magens nach sich zieht. Slipping müssen ernst genommen werden du als Massnahme der Wahl muss das Band frühzeitig geleert werden.
- Band – Penetration: Das Magenband kann in den Magen einwachsen. Die meisten solch eingewachsenen Bänder können endoskopisch (mittels Magenspiegelung) entfernt werden, die übrigen laparoskopisch.
- Band - Vereiterung (0.1%): Das Band muss dann entfernt werden.
- Erbrechen nach der Operation werten wir nicht unbedingt als Komplikation, sondern eher als Folge des Bandes. Erbrochen wird in der Regel nur dann, wenn der Patient unter Stress und Zeitdruck essen muss und grosse Bissen hinunter schlingt. Es kann auch mal vorkommen, dass ein Bissen stecken bleibt. Der Patient sollte uns unverzüglich kontaktieren, damit wir das Band öffnen können, so dass der Bissen durchgehen kann. Mit Zunahme der Zeit und Erfahrung im Umgang mit der neuen Situation lernen fast alle PatientInnen, dass sie nun wirklich gut kauen und sich Zeit nehmen müssen fürs Essen.
Mögliche Komplikationen bei Neuanlage Magenbypass
- Blutungen/ Nachblutungen: diese treten meistens an den Nähten auf und finden in den Darm hinein statt (Blut im Stuhl). Meist ist dieses Ereignis harmlos und hört von selbst auf, andernfalls wird der Patient endoskopiert (Magenspiegelung) und so die Blutungsquelle verödet.
- Nahtleck: die am meisten gefürchtete Komplikation (1-2%). Allenfalls wird eine erneute Operation mit Verschluss des Lecks oder zur Drainage nötig. Lecks können zu deutlich verlängerten Spitalaufenthalt Anlass geben.
- Nahtschrumpfung am Übergang zwischen der geschaffenen Magentasche und dem Darm. Der Patient kann immer schlechter essen und am Schluss kaum mehr trinken. Die Behandlung ist ambulant durch eine Magenspiegelung und gleichzeitige Aufdehnung.
- Abszesse, Spätlecks: selten kann es im Operationsgebiet zu Abszessbildung kommen. Hohes Fieber ist das Hauptsymptom. Ist der Abszess im Bauchraum muss operiert werden. Ist er in einer Hautwunde kann die Wunde ambulant eröffnet und gespült werden.
- Mangelerscheinungen sind bei fast allen Patienten zu verzeichnen. Das heisst, die lebenslange Nachsorge und Nachkontrolle sind lebenswichtig!
- Das Dumping (Zuckerunverträglichkeit) ist eher eine Folge als eine Komplikation. Es tritt bei etwa 15% der Magenbypass- Patienten auf. Wenn Zucker in grossen Mengen (Kuchen, Torten, Süssgetränke usw.) in die dem Pouch angenähte Darmschlinge gelangt, wird Wasser aus der Blutbahn in den Darm gezogen, Die Folgen sind Herzklopfen, Schwindel und Durchfall.
- Spätdumping: Diese Unterzuckerung ist selten, kann jedoch invalidisierende Müdigkeitserscheinungen hervorrufen. Solche Situationen sind ganz schwierig zu behandeln und eine Standardmassnahme wie Reoperation ist bisher noch nicht etabliert. Der Fobi- Ring kann helfen, Spätdumpings zu verhindern.
- Magengeschwür: die Behandlung ist medikamentös.
- Schluckschwierigkeiten: bei einzelnen Patienten kommt es ohne nachweisbare Ursache und ohne Nahtschrumpfung zu Schwierigkeiten bei der Festnahrungsaufnahme (ev. sogar der Flüssigkeitsaufnahme). Die Ursachen sind wahrscheinlich Schleimhautfalten, die sich ventilartgi über den Pouchausgang legen. Eine Reoperation mit Neuanlage des Magenbypasses wird notwendig.
- Eine Gastro- gastrische Fistelbildung entsteht durch erneutes Zusammenwachsen des Pouches mit dem Restmagen.
Äusserst seltene Komplikationen
- Harnwegskomplikationen: Blasenkatheter zur Urinableitung können Verletzungen der Harnröhre, bei längerer Anwendung Blutung und Harnwegsinfekte verursachen.
- Blutungen: Verletzung grösserer Blutgefässe die eine Gefässoperation, eine operative Blutstillung oder eine Bluttransfusion bedingen.
- Bauchwandlähmung nach Verletzung von Muskelnerven.
- Wundinfekte durch Krankheitserreger verzögern die Wundheilung und verlängern die Dauer der Behandlung. Eiteransammlungen müssen eröffnet, drainiert, gespült, infizierte Kunststoffe, Fäden oder Klammern evtl. entfernt werden, damit die Infektion abheilen kann.
- Ein Schlauchrest kann bei einem Bandwechsel im Bauchraum verbleiben. Dies kann äusserst selten zu Schmerzen Anlass geben. Der Schlauch ist jedoch dafür vorgesehen, im Bauchraum zu liegen.
- Blutungen oder Magenleck nach Bandpenetration.
- Pneumothorax bei laparoskopischer Operation (Eindringen von Gas in den Rippenfellraum): Atemnot als Folge der Verdrängung der Lunge, welche die Einlage einer Saugdrainage erfordert.
- Luftembolie bei laparoskopischer Operation: Kohlensäuregas tritt in ein Blutgefäss ein, so dass es zu lebensbedrohlichen Kreislaufstörungen kommen kann.
- Lagerungsschäden (Druck- oder Überdehnungsschäden an Nerven, Gefässen oder Weichteilen mit Empfindlichkeitsstörungen und selten Lähmungen der Gliedmassen) sowie Haut- und Gewebeschäden durch Kriechströme, Hitze und/oder Desinfektionsmittel mit ev. bleibenden Nervenfunktionsstörungen oder dauerhaften Narben.
- Bei Wundheilungsstörung oder entsprechender Veranlagung können schmerzende und/oder ästhetisch störende Narbenwucherungen mit Hautverfärbungen (Keloide) entstehen. Eine Narbenschrumpfung kann zu unschönen Einziehungen oder Bewegungseinschränkungen führen.
- Allergie oder Überempfindlichkeit (z.B. auf Medikamente, Desinfektionsmittel, Latex) können vorübergehend zu Schwellung, Juckreiz, Niesen, Hautausschlag, Schwindel oder Erbrechen führen. Schwerwiegende allergische Komplikationen mit bleibenden Schäden im Bereich lebenswichtiger Funktionen (Herz, Kreislauf, Atmung, Niere) sind selten.
- Verwachsungen im Bauchraum (va. nach einem Bauchschnitt) können (auch noch nach langer Zeit nach der Operation) zu einem Darmverschluss (Ileus) führen.
- Narbenbruch (Hernie): nach einem Bauchschnitt kann eine Lücke in der Bauchwand entstehen, die operativ verschlossen werden muss. Bei laparoskopischen Operationen sind Narbenbrüche sehr selten und klein.
- Taubheitsgefühl im Bereich der Operationsnarbe.
- Bluttransfusion: Risiko z.B. für Hepatitis- Viren, HIV (1:100 000 – 1:1 000 000).
Letzte Änderung am Dienstag, 2. September 2008 um 12:16:21 Uhr.